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Schreibstoff

…oder die Jagd kann beginnen…

Für das Schreiben einer Geschichte lohnt es sich immer, Devotionalien in seiner Schreibstätte herumliegen zu haben. Da meine Eliza gerne einen Zylinder trägt, habe ich einfach mal bei Ebay einen alten abgeranzten Zylinder ersteigert. Das Tolle ist, dass sogar ein kleines „J“ eingenäht ist. Ist nur leider abgebrochen und ich muss es nochmal annhähen. Elizas Großvater hieß Johnson mit Nachnamen. Praktisch oder?

Ein Hut als Inspiration

Ein Hut als Inspiration

Es ist ein gebrauchter Zylinder. Innen steht in krakligen Bleistiftlettern: HAnS BaUm
Was der Hut wohl alles erlebt hat?

Im Moment bin ich noch auf der Suche nach einer passenden Schreibfeder. Eliza ist auch ein Schreiberling und zu der Zeit war man dann doch eher auf einfachere Schreibgeräte angewiesen. Außerdem ist es doch toll, wenn man sich als Autor ein bildhaftes Umfeld schaffen kann.

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Eliza verließ das schiefe Haus und lief schlendernden Schrittes die speckigen Straßen entlang bis zum „Royal Oak“. Erleichtert stieß sie die Tür auf und betrat diese knarzige heimeliche Welt, in der es immer ein enormes Maß an Eigenheiten und illustrem Publikum zu bestaunen gab. Sie fühlte sich wohl in dieser rauchig warmen Wunderspelunke mit den schweren massiven Holztischen, den schummrigen Buchten und der tiefbraunen malzigen Theke.

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Es ist schon interessant, einmal einen Einblick in die Musikmaschinerie der Plattenindustrie zu bekommen. Aufgrund meiner weitreichenden sozialen Strukturen hatte ich das Vergnügen als Begleitung bei einem ich+ich-Meet-and-Greet als Möchtegern-VIP dabei zu sein. Ich stehe nicht wirklich auf diese Musik, was aber letztendlich vollkommen nebensächlich bei dieser ganzen Geschichte ist. Mir ging es darum, dieses ganze Happening von außen zu betrachten.

Was passiert also an besagtem Tag? Wir werden nachmittags beim Soundcheck eingeschleust und bekommen keine Backstage-Pässe. Ein wirklicher Grund wird uns selbst nach mehrmaligem Fragen vom Management nicht genannt. Die Pässe sind mir letztendlich egal, wäre da nicht ein kleines Detail, was mein intimes Fortkommen im Grunde komplett unmöglich gemacht hat. Um auf die Toilette zu gelangen, brauchte ich diesen verkackten Backstage-Pass, weil ich sonst nicht mehr reingekommen wäre. Dies führte dazu, dass ich andere Crewmitglieder anbetteln musste, mir ihren Pass zu geben, damit ich meine Notdurft verrichten konnte. Außerdem wurde ich dreist am Team-Buffet gedisst: „Du hast keinen Pass, bitte erst die „wichtigen“ Leute essen lassen.“ Ja wunderprächtig! Florian Fischer (wir erinnern uns: Sarah Connors Freund) turnte ab und an um uns herum und war der einzige, der zumindest im Ansatz verstanden hat, dass ein Meet-and-Greet eigentlich auch Promo bedeutet. Viel hat es allerdings nicht gebracht: beim Konzert standen wir auf den schlechtesten Plätzen.

Auf den hinteren Plätzen...

Auf den hinteren Plätzen...

JUNGS, so wird das NIX! Adel Tawil kam auch kurz vorbei, man plauderte ein paar Worte und er zog sich zurück. Verständlich, wenn man bedenkt, welchen Druck ein solches Konzert in einem aufbaut. Annette Humpe hielt sich stark im Hintergrund. Sie wird schon wissen, warum sie keine Lust mehr hat, mit aufzutreten.
Während des Konzerts verkroch ich mich mit meiner Begleitung in ein umliegendes VIP-Zelt (Stufe 2), um dort All-Drinking-Beer-For-Free zu praktizieren. Es gab auch Currywurst. Die VIPs waren klassifiziert. Es gab die Stufe 2 mit den Special-Bändchen, die die Benutzung der Wurst-Bierbude einschloss und die Stufe 1 mit Bändchen und Pass, die neben der Bude einem Zutritt hinter die Kulissen in die Privatgemächer der “Stars” gewährte.

Wir hatten ein Bändchen und einen imaginären Klo-Pass. PROST!

Nach einigen Pappbechern Bier war die Show vorbei und wir tingelten zu der angekündigten „legendären Aftershow-Party“. Mhm… vielleicht habe ich zuviel erwartet, aber es handelte sich eher um eine legendäre Eierkraul-Platten-Universal-Studios-Party mit schönen schnöden Menschen und leckerem Buffet. (Ich muss sagen, als Buffetkenner ging da einiges… wenn man denn mal was davon essen durfte als niedriges Fußvolk). Ja, im Grunde liefen wir auf der Party ein bisschen im Kreis, steckten unsere Finger ins Buffet und landeten bei einem unserer Rundgänge direkt vor der Plattenverleihungsshow.

Plattenverleihparty mit George Glück, Adel Tawil und Annette Humpe...

Plattenverleihparty mit George Glück, Adel Tawil und Annette Humpe...

Ups…Foto gemacht…und dieses Foto bestätigte meinen Eindruck:

Bei den großen Plattenfirmen fungiert der Künstler lediglich als Marionette. Zwischen all den Knebelverträgen, Konzerttouren und der Promo fällt der Künstler als Individuum hinten runter, da der Riesenapparat an Musikmaschinerie auch irgendwie bezahlt werden muss. Aufgrunddessen muss man sich als Künstler einfach bewusst machen, dass man sich bei den Großen leider nur verkauft und prostituiert. Daneben wurde mir während dieser ganzen Aktion auch extrem bewusst, wie stark der Konsument dieser Musikindustrie-Musik die Tatsachen ausblendet und die Reflexion hinten anstellt bzw. anstellen muss. Wenn man sich jedesmal die Missstände bewusst machen würde, könnte man die Musik nicht mehr mit freiem Kopf genießen.

Für den Musiker habe ich zum Schluss den Rat:

Wenn du schon mitspielen willst, dann verliere nie den Durchblick. Nur dann kannst du frei nach Truffaut als professionelle Hure allen die Illusion von Liebe geben, alle befriedigen, alle erleichtern, aber letztendlich den Mund verweigern.

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Irgendwie bin ich heute innerlich recht angespannt. Und es juckt in den Fingern. Als ich vorhin Wäsche gebügelt habe, fand ich die alte Lederjacke im Schrank, die ich mir vor fünf Jahren gekauft hatte. Die ist jetzt für Eliza. Ich denke, die würde sich ganz gut an einem Tournüre-Kleid des 19. Jahrhunderts machen.

Ich schreibe heute an der ersten Kneipenszene. Irgendwie fehlt mir noch ein guter Name für die Kneipe. Irgendwas Englisches. Die Kneipe ist schon eher eine rustikale Spelunke, wo sich allerdings viel Künstlertum herumtreibt.

Zur Auswahl stehen:
Far Side
Old Carpenter
Black Tulip
Sly Fox
Golden Barrel

Noch einen anderen Vorschlag??

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Wer sich als Frau wünscht, endlich mal von Männern angesprochen zu werden, sollte sich die folgende Geschichte genauestens durchlesen.

Es war an einem kalten Freitagmorgen, als ich mit der Bahn zu meiner Firma fuhr. Ich stieg aus der Bahn aus und lief in die Unterführung. Musiktechnisch gab es bei mir zu dieser Zeit immer einiges auf die Ohren, damit ich einigermaßen gut gelaunt in den Tag starten konnte.

Ich laufe nun zugedröhnt von all dem Fever durch die Unterführung, als mich plötzlich ein Typ (geschätzte Mitte 30, blond, gestylt) wild gestikulierend auffordert, meine Kopfhörer runterzunehmen. Nett wie ich bin, tue ich das. „Hey, läufst du immer so schnell am Morgen?“, fragte er mich. Ich war verblüfft und dachte kurz über die Motive des Typens nach. Will er mir irgendwas aufschwätzen? Wie soll ich reagieren? Was will er??

„Naja, ich habe nicht viel Zeit und wollte nochmal kurz in die Drogerie vor der Arbeit“, erwiderte ich immer noch extrem verunsichert. Dann ging es mit der Small-Talk-Kiste weiter. Er fragte nach meinem Job, ich nach seinem und was ich so am Wochenende machen würde. Spätestens bei der Frage wusste ich, wohin der Hase läuft. In der Drogerie wollte er dann wissen, ob ich Single bin. Da log ich ihn an und schlängelte mich mit einem fiktiven Freund aus der Zwickmühle. Eigentlich wollte ich das nicht, aber ich hatte nicht den Schneid zu sagen, dass er einfach nicht mein Typ ist. Feige, ich weiß.
Allerdings lobte ich zur Verabschiedung seinen Mut und die selbstsichere Art, Frauen einfach auf der Straße anzusprechen.

Seine Antwort zog mir anschließend allerdings die Schuhe aus:
„Ja, was soll ich denn auch machen? Ich bin 38 und mir läuft die Zeit davon!“

Ich war erleichtert…

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Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Mutter mir das Lügen beibrachte. Meine Tante kam zu Besuch und wie Tanten eben so sind, schenken sie natürlich auch etwas. Voll Freude nahm ich das Geschenk entgegen und öffnete das Päckchen. Es war schrecklich. Ein kariertes Kleidchen mit Schleifchen ala „Nesthäkchen“ ploppte mir entgegen.

Und was macht die Kleine?

Sie schreit und jammert: „Ihh…ist das hässlich. Das will ich nicht anziehen, Mama. Ich mag keine Kleider.“

Meine Mutter schämte sich, meine Tante schaute pikiert und ich legte mit spitzen Fingern das Kleid beiseite. Ich habe es tatsächlich nie angezogen.

Am Abend beschwörte mich allerdings meine Mutter, dass man bei einem Geschenk grundsätzlich nicht in der besagten Weise reagiert, sondern brav sagt, dass man sich sehr freuen würde – auch, wenn dem nicht so ist.

Das war der Tag, an dem ich mit fünf Jahren das Lügen lernte.

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Was macht Eliza, wenn sie mal richtig Spaß haben will? Sie geht in die Kneipe um die Ecke und begeistert sich am illustren Publikum.

Auch für mich ist das durchaus ein beliebter Zeitvertreib. Wenn ich in der Heimat bin, dann gehe ich immer in eine alteingesessene Kneipe meines verschlafenen Städtchens. Diesmal kam ich gar nicht in den Laden rein, weil mich vorher bereits ein ehemaliger Bekannter mit falschem Namen ansprach und vorgab, mich zu kennen. Anschließend musste ich mir Neues über ein erfolgloses Philosophiestudium und den wenigen Schnee anhören. Jaja, früher war alles besser.

Irgendwann wühlte ich mich zum Eingang durch und betrat den Laden, der mir bis heute den Eindruck einer Hüpfburg getarnt als Geisterbahn vermittelt. Zigarettenrauch vermischt mit Red Bull-Geruch stieg mir in die Nase. Daneben war das Licht bläulich-lila und durchsetzt mit harmonisch anmutenden Lichtinseln, die sich über den Sperrholztischen und den geschwungenen Holzstühlen wölbten. Gemeinhin würde man diese Lichtinseln auch „Funzeln“ nennen. Sie schafften es immer wieder, selbst schlimmste Alkoholträume in den Gesichtern der Besucher in Glückseligkeit und Freude zu verwandeln.

http://de.wikipedia.org/wiki/Funzel

Ein alter Bekannter winkte mir aus der dunkelsten Ecke entgegen. Ich schob mich durch die wabernde Körpermasse während mir jemand ins Ohr rülpste und erreichte schließlich den Tisch des Bekannten, der sowohl rechts als auch links keinen Platz neben sich hatte. Nach einer mündlichen Fernbegrüßung, setzte ich mich auf den einzigen freien Platz am Tisch. Plötzlich rumpelte eine blondtätowierte zahnlückenalte Kellnerin mit einer Trinklatte an den Tisch. „Ich krieg nen‘ Zehner“, raunzte sie und stellte das Ungetüm mit den zehn Schnäpsen ab. Ein leiser Brechreiz machte sich in mir breit und irgendjemand zahlte.

Trinklatte

Trinklatte im Dunkeln...

In solch‘ einer Umgebung bin ich meist schon betrunken, bevor ich überhaupt etwas getrunken habe. Wahrscheinlich ist das so etwas wie ein Schutzreflex des Körpers. Eine mollig-braunhaarige 18-Jährige mit Kippe im Mundwinkel drückte mir einen Schnaps in die Hand und schielte mich an: “Trinken SIE!“ Sie kippte den Schnaps hinunter und lallte ihrem Kumpel neben mir zu: „ Ey, ich lass‘ mal meine Jacke bei der Frau da. Muss ma‘ aufs Klo!“ Sie meinte wohl mich und das Gefühl nach diesem Monolog war nicht das beste. Aber ich dachte daran, wie froh ich war, aus dieser Stadt jemals in die Welt gezogen zu sein. Nur dann zurückzukommen, wenn ich es möchte, um in diesen Mikrokosmos aus Einfachheit einzutauchen. Bei Bedarf kann ich jederzeit zum Luftholen in die neue Welt zurückkehren. Meinetwegen kann mich die ganze Welt SIEZEN!

Irene Cara mit “What a feeling” röhrte durch den Raum. Die 80er waren wieder spürbar.

Auf einmal krachte es und ein Eimer mit Cuba Libre und einem Bündel Trinkhalmen stand auf dem Tisch. Erneut zahlte irgendjemand und schon hing ich am Halm. Ich nahm einen Anstandsschluck aus dem Trichter, schüttelte mich und machte Fotos von den Menschen um mich herum.

Trinkeimer im Dunkeln...

Trinkeimer im Dunkeln...

Es war schaurig. Schaurig schön und ich mitten drin. Irgendwann, als jemand einen Heiße-Hexe-Pizza-Snack bestellte, hatte ich genug. Ich stand auf, packte meinen bereits bläulich gefärbten Bekannten, zog ihn hoch und ging.

 

Frauen sollten auf diesem verlassenen Fleckchen Erde nicht alleine nach Hause gehen.

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Als Frau Anfang 30 hat man es nicht wirklich leicht. Wobei, wenn ich genau überlege, eigentlich schon. Woher kommt das, dass man als Frau meint, man wäre als Nicht-Mehr-Twen Gammelfleisch und der absolute Looser? Im Grunde fängt mit 30 das Leben einer Frau nämlich erst an!
Viele Frauen werden erst richtig attraktiv mit 30, sind fest im Job, können noch locker Kinder kriegen und haben ein eigenes Einkommen. Die Erfahrungen in jeglicher Hinsicht werden besonders von den Männern geschätzt.

Doch woher kommt das Sich-Klein-Machen der Frauen ab 30? Sind wir doch noch von alten Mustern geprägt? Von Traditionen, die über die Jahrhunderte hinweg in Form von Gehirnwäsche in unsere Gene gekloppt wurden, damit wir noch heute wie programmiert mit Ende 20 das Fallbeil gleiten hören?
Eliza lebte zu einer Zeit, in der es durchaus normal war, dass das Verfallsdatum einer Frau mit Ende 20 ablief. Da warste verbraucht und mehr tot als lebendig, wenn du nicht zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratest warst, jahaaa!

Auch wenn das heute nicht mehr so ist, schleicht sich diese Denkweise selbst bei mir immer ein. Mein 30. Geburtstag war so feierwürdig wie ein Kegelabend im Vereinsheim. Ich habe mich vergraben und mir eine Faltencreme gekauft. Obwohl ich nach eingehender Fotorecherche bemerkt habe, dass die Falten schon mit 25 da waren. Aber egal!

Vor allem die Männer Ende 30 werden bei Frauen Anfang 30 hellhörig. Jüngere Frauen sind denen meist zu blauäugig und unreif (außer sie heißen Hugh Hefner oder Dieter Bohlen oder Heinrich VIII) und gleichaltrige Frauen setzen sich dermaßen hinsichtlich Kinderwunsch und Nestbau unter Druck, dass das männliche Geschlecht sofort die Flucht ergreift.
Deswegen sollten wir Frauen uns Folgendes auf die Fahnen schreiben:

Mädel, du bist im besten Alter!

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Es ist nicht leicht, die vielen Ideen und Phantasien in Worte zu packen und niederzuschreiben. Wie oft habe ich es versucht – und mich gequält, mich vertröstet, mich abgelenkt. Seit einem Jahr schwebt mir eine Idee für ein Buch vor. Die Figuren sitzen mit mir im Bus oder gehen mit mir Einkaufen. Ich laufe über Pflastersteine und höre entfernt das Klappern der Hufe. Eliza ruft mir zu und will, dass ich ihr folge…

Doch da bricht es ab und ich zerreiße das Papier. Zerrissen muss ich den Kopf frei bekommen von dem Leben, in dem sich alles um Job, Karriere, Liebe und Leben dreht. Und dazwischen immer diese Idee.

Um es mit Elizas Worten zu sagen: Hervorragend! Die Jagd kann beginnen…

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